Zwischen Krieg und Berg

Bilder einer Laufbahn


 
 

Bilder als roter Faden oder wie alles begann

Schon als kleiner Bub brauchte Kurt Moser nur zweierlei zum Glücklichsein: Die Kamera seines Vaters und Berge im Blickfeld. In Jugendjahren besuchte er die Hotelfachschule in Meran und arbeitete eine Saison im Hotel seiner Eltern am Karerpass in Südtirol fleißig mit. Schnell aber erkannte er: Dies war nicht sein Weg. Es trug sich zu, dass zu jener Zeit ein Film-Team im Hotel logierte. Kurt begleitete die Crew bei ihren Aufnahmen und verfiel der Film- und Fotokunst.

Es zog ihn nach Mailand, wo er sich zum Fotografen ausbilden ließ. Sein Vater, der sich für seinen Sohn einen ganz anderen Weg gewünscht hatte, sprach ganze fünf Jahre lang nicht mehr mit ihm. Diese Zeit war keine einfache für den jugendlichen Kurt Moser. Die Tage verbrachte er in der Schule, in den Nächten finanzierte er sich die Ausbildung mit einem Nachtwächter-Job: „Ich hatte ja keine Lire in der Tasche“, erzählt er heute. Die eiserne Willenskraft machte sich aber bezahlt – zurück in Südtirol begann er beim ORF in Bozen zu arbeiten.

Als die Korrespondenz des ORF nach Rom verlegt wurde, bedeutete das Kurts Durchbruch als Freiberufler. 30 Jahre lang arbeitete er dann für die wichtigsten, internationalen Fernsehanstalten – immer mit dem Schwerpunkt Berichterstattung und Dokumentation. Als Kriegsberichterstatter war er schließlich unterwegs in Afghanistan, Iran, Israel, dem Balken und Kurdistan. „Man identifiziert sich irgendwann mit den Leuten vor Ort. Man will wissen, wie es ihnen geht und findet nochmal und nochmal zu ihnen zurück“, sagt Moser. An diese Zeit denkt er aber nicht so gerne.

Viel lieber denkt er an seine Kindheit zurück.
 
 

 

Bilder im Kopf – Kurt erzählt

„Wir waren frei, so frei. Die Berge waren unser Spielplatz, die Natur ein einziger Abenteuerpark. Wir waren in den Dolomiten zuhause und hatten nur eines im Kopf: ausschweifen, um zu entdecken. Ich hatte eben den Entdeckungsdrang meines Vaters geerbt. Im Grunde bin ich also doch in seine Fußstapfen getreten, könnte man sagen. Mein Vater war, wie ich, viel auf dieser Welt unterwegs. In Marokko , in Afrika, wo es Berge gab. Dort hat er gefilmt und zuhause dann hat er seine Filme geschnitten. Das war damals noch echte Handarbeit, mit Schere und Kleber. Mein Vater hatte sogar eine fantastische Foto-Kamera: eine Braun Paxette mit wunderbaren verchromten Steinheil Objektiven.

Ich habe einfach immer nur durch den Sucher geschaut. Abzudrücken traute ich mich nicht. Aber die Dolomitenwelt durch den Sucher zu sehen, das war besonders. Wieder und wieder habe ich die Kamera meines Vaters ausgeliehen. Die Bilder, die sie und ich tagsüber gesehen haben, die habe ich seither tief in mir gespeichert.“

 

Wieder Kind sein

Offensichtlich haben sie mich auch nie losgelassen. Ich habe so viel von dieser Welt gesehen. Viele Berge dieser Erde. Die schönsten Plätzchen. Und doch – die Dolomiten sind für mich Heimat. Für mich sind sie Freiheit. Sie vermitteln mir das Gefühl von damals, als ich Kind war. Vielleicht bin ich aber auch immer eins geblieben.

Nun darf ich wieder hier sein, in der weiten Unendlichkeit dieser Berge. Darf eins werden mit ihnen. Zusammen warten wir auf den Augenblick, der das Bild perfekt macht – so, wie ich es mir in meiner Erinnerung ausgemalt habe.