Wenn der Tag nur 30 Stunden hat

Auch Kunst will geplant sein

Barbara Holzknecht. Seit fast 20 Jahren in der Filmbranche tätig – seit 13 Jahren als selbständige Producerin – wurde sie vor ca. zwei Jahren auch zur Projektleiterin eines der größten Kunst- bzw. Fotografieprojekte Südtirols. „Und vielleicht auch eines der verrücktesten“, ergänzt sie gleich zu Beginn unseres Gesprächs.

Das Projekt Lightcatcher mag sich für manchen schon ein bisschen nach Größenwahn anhören, spielt doch Größe eine ausschlaggebende Rolle im gesamten Vorhaben. Ein riesengroßer LKW, ein überdimensionales Objektiv und große und groß-artige Berge – die Dolomiten – sind allesamt wesentlicher Bestandteil von Kurt Mosers Vorhaben: Ambrotypien der bleichen Berge zu erstellen.

Warum gerade Ambrotypien? Warum Bilder auf Glas bannen, nach einem Verfahren aus der Jahrhundertwende? „Weil Ambrotypien wunderschön sind. Weil Ambrotypien Unikate sind, so wie die bleichen Berge selbst. Weil es sich bei Ambrotypien um Kunstwerke handelt und nur ein Kunstwerk der Imposanz und Schönheit der Dolomiten gerecht werden kann.“ So habe Kurt Moser seinen Antrieb damals beschrieben, erzählt Barbara. „Und ich habe sofort verstanden, was er meint.“

berg2
 
 

„Ich wusste gleich, er führt etwas im Schilde.“

Barbara kümmert sich nun seit über zwei Jahren um die Finanzierung des Projekts und die Kommunikation, übernimmt Sponsorengespräche, fädelt Ausstellungen in den großen Museen dieser Welt ein, leitet das Crowdfunding-Projekt auf der Plattform Kickstarter und unterstützt den Künstler im schrittweisen Erreichen seines großen Vorhabens.

„Als Kurt mir vor mittlerweile 3 Jahren das Foto einer wunderschönen Balgenkamera aufs Handy sendete, ahnte ich bereits, dass er etwas im Schilde führt. Als er mir dann von seiner Idee erzählte, hatte ich nur zwei Gedanken: 1. Dieser Idealismus gehört unterstützt und 2. Es klingt unmöglich, ist es aber nicht. Und davon bin ich nach wie vor überzeugt.“

ambrotypie

„So richtig losgelegt haben wir in dem Moment, wo es Kurt gelungen ist, eine Optik in der Größe aufzutreiben, die es zum Erstellen von riesigen Berg-Ambrotypien und für den Umbau eines ganzen LKWs in eine fahrbare Kamera braucht. Das war im Juli 2015. Und irgendwie war in dem Moment klar, welche Größenordnung das Projekt – im zweifachen Sinne – annehmen würde. Es wurde uns bewusst, dass man so etwas nicht mal nebenbei aufzieht, sondern dass es uns reichlich Zeit und Energie kosten würde.“

optic
 
 

„Und plötzlich hatte der Tag 30 Stunden.“

Die Filmbranche, in der ich immerhin seit fast 20 Jahren tätig bin, ist eine äußerst schnelllebige Branche. Alles muss ständig extrem schnell gehen, der Druck ist hoch. Und ich habe schon erlebt, dass das ein oder andere Projekt nicht so qualitativ hochwertig umgesetzt werden konnte, wie ursprünglich geplant. Mit Lightcatcher bot sich mir endlich die Möglichkeit, bei etwas mitzuwirken, wo es notwendig ist, sich ausreichend Zeit zu nehmen, um etwas ästhetisch Eindrucksvolles zu erschaffen. Und zu fokussieren. Ich freute mich darauf, bei etwas mitzuarbeiten, bei dem die qualitativ hochwertige Bildsprache wieder voll im Vordergrund steht.

„Natürlich ist die Startphase des Projekts enorm aufwändig. Plötzlich scheint mein Tag 30 Stunden zu haben und die reichen nicht mal aus. Aber wenn ich beispielsweise mit Kurt in der Dunkelkammer stehe und auf das fotografische Ergebnis warte, verliert alles Andere an Bedeutung. Da knistert förmlich die Luft vor Spannung, wenn wir auf das Foto warten, das da auf schwarzem Glas entsteht. Im Zeitalter der Handy-Schnappschuss-Flut ist das wie ein Moment des Entkommens. Ein Statement. Ein Erinnern an die Fotografie als Schnittstelle zwischen Kunst und Handwerk.“

barbara2
 
 

Alle Mühe wird belohnt

Wir haben schon so viel erreicht. Interessante Sponsoren haben uns bereits unterstützt oder ihr Interesse bekundet, so auch der Präsident der UNESCO Italia. Wir haben die Zusage für Ausstellungen in Berlin, im Museum für Fotografie der Helmut-Newton-Stiftung, und sogar für eine Ausstellung in Mumbai! Die Medienresonanz ist auch enorm! Wenn man all diese Faktoren betrachtet, hat das Projekt bereits Erfolg verzeichnet, noch bevor der Umbau der russischen Militär-LKWs gestartet wurde. Wenn man dann auch die emotionalen Erfolge berücksichtigt – ich habe während der letzten beiden Jahre fantastische Menschen kennengelernt – hat sich jede Mühe bereits gelohnt.

„Es steckt so unglaublich viel Idealismus hinter diesem Projekt. Und genau deswegen benötigt es die Hilfe eines jeden. Ich wünsche es Kurt von Herzen, dass das Projekt finanziert werden kann. Ligthcatcher wird ein Statement setzen und in Form von Ambrotypie-Kunstwerken um die ganze Welt ziehen.“