Die Dolomiten ins rechte Licht rücken

Kurt Moser über ein grossartiges Projekt

Ein 15 Tonnen schwerer, russischer Militär-Lkw  und eine APO Nikkor mit 1.780 mm Optik. Fotograf und Kameramann Kurt Moser hat eine Vision. Er will die Dolomiten mit Hilfe der Ambrotypie in ein ganz neues, und doch uraltes,  Licht rücken.

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Ambrotypie – fotografieren mit UV

„Ambrotypie zu erklären ist nicht einfach. Man muss die Bilder, die mit Hilfe dieses Verfahrens entstehen, einfach gesehen haben!“, so Kurt Moser. Voller Begeisterung erzählt der gebürtige Südtiroler von einer ganz außergewöhnlichen Art, Bilder entstehen zu lassen. „Ambrotypien weisen eine unglaublich spannende Auflösung, extreme Kontraste und ein imponierendes Detailreichtum auf, welches in keinem Vergleich zur heutigen Fotografie steht“, schwärmt der 50-Jährige von dem fotografischen Verfahren aus dem Jahr 1850.
Jedes Bild ist ein Unikat aus Glas, mit einer sehr ausdrucksvollen Bildsprache, mit Bild- und Chemiefehlern. „Wobei das Wort ‚Fehler‘ in diesem Falle wohl nicht ganz treffend ist, weil es gerade die sogenannten ‚Fehler‘ sind, die jene unbeschreibliche Charakterstärke der Bilder ausmachen. Es wird nicht jenes Licht eingefangen, das der Mensch sehen kann, sondern Licht, das in einem völlig anderen Wellenlängenbereich liegt: UV-Licht. Für uns Menschen unsichtbar. „Einer von vielen Fakten, die mich an der Ambrotypie faszinieren.“
Die 50 mal 60 Zentimeter großen Ambrotypien, die durch Mosers zwei Meter große Holzkamera aus dem Jahre 1907 entstehen, beeindrucken. Doch die „Baby“, wie er seinen Kamera- Koloss liebevoll nennt, reicht nicht aus, um seinen Traum zu verwirklichen: Er möchte mit einem Ural, einem gigantischen russischen Militär-Lkw, den er zu einer riesigen Ambrotypie-Kamera und zu einer Dunkelkammer umbauen will, die Dolomiten fotografisch festhalten: „In Bildern, die diesen imposanten Bergen auch gerecht werden können.“ „Lightcatcher“ nennt der Fotograf sein Projekt – Fänger des Lichts.

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Glas, Silber und Licht

Für das Erstellen einer Ambrotypie beschichtet Moser eine schwarze Kathedral-Glasplatte mit einer selbst gemischten Kollodium-Emulsion und gibt sie in ein Silberbad. „Ein kostspieliges Hobby“, gibt der Künstler zu. Die darauf folgende Belichtung dauert ganze 20 bis 40 Sekunden – eine große Herausforderung. Portraitiert Kurt Moser Menschen, fixiert er sie zuerst mit einer Halterung im Nacken – und dann heißt es Luft anhalten. Eine kleine Bewegung des Models, ein plötzlicher Windstoß oder ein Temperaturunterschied von nur einem halben Grad genügen, und alles war umsonst.

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Zwischen Kunst, Chemie und Technik

Nach dem Fotografieren müssen die Ambrotypien innerhalb von fünf Minuten entwickelt werden. Dafür hat Kurt eigens einen Chemiekurs besucht und sich durch langsames Experimentieren an die richtige Formel herangetastet. „In den Bergen, so ganz ohne Dunkelkammer, wird das Entwickeln der Ambrotypien zur großen Herausforderung“, weiß er.

Um in der Dolomitenwelt also überhaupt eine Ambrotypie erstellen zu können, bedarf es schon reichlich Ideenreichtum. Und so kam dem Künstler die Idee, eine seiner anderern Leidenschaften – einen alten, russischen Militärlaster der Marke Ural – dafür zu nutzen und umzubauen.

Sein Projekt sieht vor, den kalten Krieger zur Dunkelkammer und fahrbaren Kamera umbauen. Um die passende Optik für seine Ural-Kamera zu finden, kämpfte sich Moser zunächst durch tausende Blogs und Bücher, bis er schließlich auf eine der seltensten Optiken dieser Erde stieß: die APO Nikkor 1780 mm. Durch sie entstehen bis zu 150 cm große Bilder.

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Kalter Krieger mit neuer Aufgabe

Der Lkw steht also bereit, die Kamera-Optik war gefunden! Nun aber bedarf es Dolomiten- Fotografie- und Kunstbegeisterter Unterstützer, damit der Ural zur fahrbaren Kamera umgebaut werden kann.
„Ich bin überzeugt, dass ein so einmaliges Kunst-Projekt, das noch dazu von großer Bedeutung für das UNESCO Weltnaturerbe Dolomiten ist, auf große Zustimmung stößt!“ so Kurt Moser.

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